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Virtuelle Lobby

von

Philipp Nolden

Wer die Wahl hat, hat früh genug für Handlungsalternativen gesorgt

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Lassen Sie mir das "n" am Ende. Es ist wichtig.

Nolde, Nolte und so weiter klingen ähnlich wie Nolden. Aber ein Herr Nolde ist nicht nur ein Herr Nolden, dessen Vorfahren irgendwann das "n"verloren gegangen ist.

Ich denke, beide Namensräume haben einen gemeinsamen Ursprung, der weit zurück liegt. Aber ich glaube nicht, daß sie jemals derselbe Name waren.

Folgendes ist zum großen Teil Spekulation. Aber wenn Sie Spaß an so etwas haben, machen Sie doch mit mir einen kurzen Abstecher in graue Vorzeiten.

Von Arnolds und Arnoldensöhnen

Mittelhochdeutsch

Der Teil meiner Namensgeschichte, der als historisch gesichert gilt, ist recht nüchtern: Nolden ist die Kurzform von "Arnolden Sohn". Das wiederum ist mittelhochdeutsch für "Arnolds Sohn". Im Mittelhochdeutschen war es relativ üblich, die erste und die letzte Silbe wegzulassen. (Ich kenne IT-Administratoren, die das heute noch machen.)

Der Sohn von jemandem namens Arnold wäre dann Arnolden Sohn. Das "Ar" und der Sohn fallen der Bequemlichkeit zum Opfer. Der Sohn von Herrn Arnold hieße damit Nolden. So weit, so banal.

Eine regionale Spezialität

Gab es irgendwann einen bedeutenden Arnold, der eine weitreichende Sippe gezeugt hat? Sozusagen einen historischen Walder Frey? Oder war Arnold einfach ein sehr häufer Name, so daß überall "Arnolden Söhne" herumliefen und deren Bezeichnung irgendwann zu einem Familiennamen wurde?

Kann sein. Aber diese Vermutung hat ein Problem: Man sollte dann nämlich erwarten, daß die Namen Arnold und Nolden regional ähnlich verteilt sind. Viele Arnolds, viele Arnolden Söhne. Das ist aber nicht so. Der Name Arnold ist, mit seinen Ableitungen wie Nolte, Nolde, Nöl, Arnaud etc. in ganz Mitteleuropa sowie auf den südlichen Britischen Inseln weit verbreitet. Den Namen Nolden gibt es historisch nur in einem Teil des Rheinlandes, genauer gesagt in der Gegend um Worms und Speyer.

Also in dem Teil Deutschlands, der längere Zeit eine Kulturregion des Römischen Reiches war. Und ich denke, hier liegt der Schlüssel. Aber halten wir erstmal fest: Der Name Arnold war so attraktiv, daß viele ihre erstgeborenen Söhne Arnold nannten. Dadurch hat dieser Name sich weit verbreitet. Anloden Sohn wollte man anscheinend nicht so gern sein. Zumindest nicht außerhalb des Rheinlandes.

Dort allerdings ist Nolden auch heute einer der häufigsten Namen überhaupt. Aber nur dort. Offenbar wurden dort sehr viele Leute so genannt, aber weiter verbreiten wollte dieser Name sich nicht so recht. Warum nur?

Altsächsisch

Der Name Arnold ist eine eingeschliffene Form von Arnwalt. Dieser Begriff setzt sich zusammen aus dem altsächsischen "Ar" für Adler und dem altsächsischen "waltan" für herrschen. Arnold ist also altsächsisch und bedeutet "Herrscher mit Adler".

So weit reichen die Informationen, die sich aus seriösen Quellen nachvollziehen lassen. Jetzt fange ich an zu spekulieren.

Die einzigen Herrscher mit Adlern in Germanien, zu der Zeit, in der Altsächsisch gesprochen wurde, waren die römischen Legionäre bzw. die römischen Offiziere. Und es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, daß während der Völkerwanderungszeit die germanischen bzw. sächsischen Heerführer diese Bezeichnung für sich übernommen haben. Daß sie damit dann letztlich zu einem beliebten Vornamen für erstgeborene Söhne, vor allem von Adligen, geworden ist, ist wohl plausibel.

Man muß nur einen Gedankenschritt weitergehen, um anzunehmen, daß die "Herrscher mit Adler" viele uneheliche Kinder mit sächsischen Frauen gezeugt haben. Egal, ob dies nun gewaltsam oder einvernehmlich geschehen ist, waren diese Kinder in ihrer Sippe vermutlich nicht sonderlich willkommen. Aber es waren eben sehr viele. So viele, daß sie vermutlich eine eigene gesellschaftliche Gruppe gebildet haben, mit der sich Außenstehende nicht gern identifizieren wollten.

Die Herkunft der Noldens

Damit wäre der auffällige Unterschied in der regionalen Verteilung der Namen Arnold und Nolden erklärt. Ich wäre damit nicht ein Abkömmling einer großen und mächtigen Sippe, wie manche annehmen. Mein Name hätte seinen Ursprung in der Beziechnung einer gesellschaftlichen Randgruppe.

Nun ja, heute heißen im Rheinland und auch im Ruhrgebiet viele erfolgreiche Unternehmen "Firma Nolden" oder so ähnlich. Hohe Beamte und erfolgreiche Politiker tragen den gleichen Nachnamen wie ich. Offenbar haben wir unseren Weg gefunden. Wir haben tausend Jahre gebraucht. Aber wir mußten uns ja auch ohne Adelstitel und ohne großes Ansehen durchs Leben schlagen. Da dauert es eben ein bisschen länger.

Urkundliche Erwähnung findet der Name Nolden meines Wissens übrigens tatsächlich erst in der Moderne, in Verbindung mit Unternehmern. Auch das spricht meines Erachtens für zwei Dinge:

  • Erstens, daß der Name Nolden verbreitet war. So verbreitet, daß er über tausend Jahre Bestand hatte, obwohl er keine besonders spektakuläre Bedeutung hatte.
  • Zweitens, daß dieser Name lange Zeit nicht mit besonderen Aufstiegschancen verbunden war. So lange nicht, bis Industrielle Revolution und Unternehmertum auch dem gemeinen Volk Aufstiegsmöglichkeiten boten.

Ich halte nichts von dem Credo "Nomen est Omen". Zwischen mir und dem Aufstieg der Noldens liegt einiges. Trotzdem verbinde ich diesen Namen mit Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen, mit dem Mut, Dinge zu versuchen, die priviligiertere Menschen sich nicht zutrauen, und mit der Fähigkeit auch über sehr lange Zeit nicht aufzugeben sondern immer wieder aufzustehen.

Das finde ich inspirierend. Darum beschwere ich mich gelegentlich, wenn einer das "n" unterschlägt oder mich gar "Nolte" nennt.

So, aber jetzt wieder an die Arbeit!

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